Prof. Dr. h.c.
Herbert Krejci

Journalist, Generalsekretär der Vereinigung österreichischer Industrieller

* 1922   † 2016

 

Lebenslauf

Herbert Krejci wurde am 13. September 1922 in eine bürgerliche Familie hineingeboren. Er verbrachte seine Kindheit im Elternhaus auf der Hohen Warte in Wien Döbling. 1940 maturierte er, und wurde kurz darauf zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht eingezogen, wo er den Rang eines Wehrmachtsoffiziers erreichte.

Redakteur und Ressortleiter für den "Wiener Kurier"

Er geriet in britische Kriegsgefangenschaft, und kehrte aus dieser im Jahre 1946 nach Wien zurück. Herbert Krejci begann als Journalist zu arbeiten. Zunächst war er Übersetzer, bald agierte er als Redakteur für den amerikanischen Nachrichtendienst in Wien. Schon ab September 1946 stieg er zum außenpolitischen Redakteur der von den US-Streitkräften herausgegebenen Tageszeitung "Wiener Kurier" auf. Er wurde ebenda 1952 Ressortleiter für Außenpolitik.

Der “Wiener Kurier” wurde aufgrund des Staatsvertrages eingestellt. Bald wechselte er zur US-amerikanischen Botschaft in Wien, wo er das Amt eines "Special Assistent für Presse- und Informationsangelegenheiten" bekleidete.

Herbert Krejci über seine Zeit als Herausgeber der ersten Zeitung in serbokroatischer Sprache

Im Jahre 2014 äußerte er sich im Rahmen eines Interviews mit dem “Standard” darüber, dass es ihm ein Anliegen gewesen sei, das Wort Fremdarbeiter durch Gastarbeiter zu ersetzen. Fremdarbeiter klang für ihn zu sehr nach drittem Reich. Er erzählte auch von seiner Zeit, als er ab November 1970 die erste Zeitung in serbokroatischer Sprache herausgab. “Nas List” hatte eine Auflage von etwa 100.000 Stück.

“Jedes Mal, wenn eine Nummer fertig war, hab ich den Übersetzer mit pochendem Herzen gefragt: "Steht irgendetwas drin, was zum Aufruhr gegen die Staatsgewalt aufruft?" Die Zeitung ist dankbar aufgenommen worden, die Arbeitgeber hatten Abos, für die Arbeiter war Nas List gratis.”

Herbert Krejci über die Gastarbeiterwelle

Und dann sprach er noch von der Stimmung in der Bevölkerung, als die Gastarbeiterwelle begann.

“Nicht alle waren sehr erfreut. Die Wiener haben gesagt: "Mir san mir, was brauchen wir die?" Auch die Industrie musste ihre Mitarbeiter überzeugen, ihnen sagen: "Da kommen Leute, die wir brauchen und die ihr Fach verstehen. Ihr müsst ihnen helfen." Aber man kann nicht sagen, dass es überschwängliche Freude gegeben hätte. Schließlich kamen die Ängste der Österreicher dazu, was ja dann in der sozialen Werbeaktion "I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogn s' zu dir Tschusch?" abgefangen wurde.”

Karriere in der Industriellenvereinigung

Im Jahre 1956 kam der Wechsel zur Presseabteilung der Industriellenvereinigung.
1961 war er bereits Leiter der Presseabteilung und Chefredakteur der (Wochenzeitschrift) "industrie", ab 1971 leitender Sekretär und 1977 Generalsekretär-Stellvertreter.

Von 1980 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1992 agierte er als Generalsekretär der Industriellenvereinigung.

In die Zeit seiner Amtszeit in der Industriellenvereinigung fiel die Krise in der Verstaatlichten Industrie. Somit wurde er zum ersten Aufsichtsratsvorsitzenden der neu geschaffenen Verstaatlichten-Holding Austrian Industries (AI), bis 2000 übte er auch die Funktion des Aufsichtsratschefs der Verbundgesellschaft aus.

Universitätslektor, Concordia-Preis 2001

Zudem war er 10 Jahre lang als Lehrbeauftragter, später als Universitätslektor für Public Relations, an der Wirtschaftsuniversität Wien (vormals Hochschule für Welthandel) tätig.

Herbert Krejci wurde mit dem Berufstitel Professor ausgezeichnet. 2001 erhielt er den Concordia-Preis für sein journalistisches Lebenswerk.

"Forum Schwarzenbergplatz"

Eine Besonderheit stellt das “Forum Schwarzenbergplatz” dar. Es handelte sich um eine Veranstaltungsreihe, zu der international herausragende Persönlichkeiten als Redner eingeladen wurden. Beginnend mit 1980 wurde diese Reihe von Vorträgen 20 Jahre lang durchgeführt. Unter Herbert Krejci als Generalsekretär der Vereinigung Österreichischer Industrieller, gemeinsam mit Theo Faulhaber, damals Institut für Wirtschaft und Politik, sowie Fritz Wedorn, damals Bildungswerk der Industrie, etablierte sich dieses exquisite Forum unter der Federführung und Konzeption von Theo Faulhaber.

Als Beispiele für Vortragende seien Alois Mock, Henry A. Kissinger, Hoimar von Ditfurth, der 14. Dalai Lama, Peter Scholl-Latour, Heinrich Harrer, Golo Mann, Franz Olah, Erhard Busek und Franz Kardinal König genannt.

Einsatz für den EU-Beitritt Österreichs

Herbert Krejci war Befürworter des EU-Beitritts Österreichs. Nach seiner Pensionierung setzte er sich im Sinne von Öffentlichkeitsarbeit für den Beitritt ein. Er bevorzugte die große Koalition und kritisierte Jörg Haider und die im Jahre 2000 gebildete schwarz-blaue Regierung scharf.

Ein Gespräch zwischen Franz Vranitzky, Erika Pluhar und Herbert Krejci

Ausgangspunkt ist ein Buch, das ganz im Zeichen des 70. Geburtstags von Franz Vranitzky steht. Es fand ein Gespräch mit zwei Gefährten von Vranitzky im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog statt. Geladen waren Erika Pluhar und Herbert Krejci.

Das Buch ist 2007 unter dem Titel “Ein großer Europäer: Weggefährten über Franz Vranitzky” im Löcker Verlag erschienen.

Unterstützung des Bildungsvolksbegehrens

Er war im Komitee für die Wiederwahlen von Heinz Fischer als Bundespräsident der Republik Österreich. Weiters unterstützte er das Bildungsvolksbegehren von Hannes Androsch. Für die Ausstellung anlässlich 50 Jahre Staatsvertrag im Belvedere war er Mitinitiator.

Tod

Herbert Krejci, der die die Industriepolitik der Zweiten Republik über Jahrzehnte maßgeblich mit gestaltete, starb am 10. August 2016.

Weblinks

Wir erinnern uns

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